Lebenskrisen, emotionale Verletzungen und Phasen der Ineffizienz gehören seit jeher zum Menschsein. Im digitalen Zeitalter jedoch wächst die Tendenz, solche Erfahrungen pathologisierend zu deuten. Soziale Netzwerke sind voll von psychiatrischen Begriffen und Diagnosen; Ausdrücke wie »Trauma«, »triggern« oder »toxisch« werden inflationär gebraucht, Eigen- und Fremddiagnosen leichtfertig gestellt.
Wo verläuft die Grenze zwischen Enttabuisierung und Verherrlichung? Laura analysiert präzise Ursachen und Folgen des Social-Media-Trends »Mental Health«.
Referentin:
Dr.in Laura Wiesböck ist eine vielfach ausgezeichnete Soziologin und leitet die Junior Research Group „Digitalisierung und soziale Transformation“ am Institut für Höhere Studien Wien. Sie forscht zu sozialer Ungleichheit, Arbeit, Geschlecht und Plattformisierung, untersucht Addictive Design auf digitalen Plattformen und lehrt u.a. zu Themen wie Coolness als kulturelle Praxis oder Soziologie der Liebe. Sie publiziert wissenschaftlich und gesellschaftskritisch, tritt in Medien auf, engagiert sich für ein gewaltfreies, ökonomisch unabhängiges Leben von Frauen* und veröffentlichte u.a. 2025 das Buch „Digitale Diagnosen. Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend“.